West Highland Way – Teil 2/2

Was bisher geschah: Die zwei Regenponchos sind mit ihren Trägern, Gabi und Mario, in der Mitte des West Highland Ways angekommen. Sie dachten gar nicht daran, in den nächsten Tagen im Rucksack zu bleiben.
Kennst du schon den ersten Teil des Reiseberichts? West Highland Way – Teil 1

Nach vier Tagen wurde das morgendliche Rucksackpacken bereits zur Routine. Auch den ständigen Regen waren wir bereits gewohnt. Die Kunst bestand jedoch darin, die nassen Socken und Schuhe erst in allerletzter Sekunde anzuziehen und um sofort los starten zu können um die Füße wieder aufwärmen zu können.

Tag 5

Tyndrum – Bridge of Orchy | 10,6 km
Mit frisch aufgestocktem Müsliriegel-Vorrat ging es weiter nach Bridge of Orchy. Der kleine Ort bestand aus nur wenigen Häusern, einem Hotel und natürlich einer Brücke. Das Besondere war, dass sich am Abend alle Wanderer im Restaurant des Hotels trafen, auch jene, die eigentlich im Zelt übernachten wollten, aber aufgrund des Wetters nicht mehr ganz so von ihrer Idee überzeugt waren.

Gabi und ihr Pon Jovi auf Tour!
Im Restaurant des Hotels wurden alle Wanderer bzw. alle die danach aussahen, an den gleichen Tisch geführt. Über den Grund konnte nur spekuliert werden.

Tag 6

Bridge of Orchy – Kingshouse | 19,3 km
Bei strahlend blauem Himmel wurde weiter in Richtung Kingshouse gestartet. Dort angekommen, wurde man bereits von schwarzen Wolken, bestehend aus unzähligen Midges empfangen. Vom Pub aus, hatte man jedoch eine fantastische Aussicht auf die kleinen Quälgeister. Ob wir noch etwas zu trinken wollten, fragte die Kellnerin. Klar, unter diesen Umständen sehr gerne! Aber mit genügend Mut, haben wir es spät Abends doch noch in das Hostel nebenan geschafft.

Schau, schon sehr schön: Die Aussicht von der Brücke.
Jeder Wanderer wird gebeten, aus Glasgow einen Stein mittlerer Größe mitzubringen (ab 750 Gramm).
Dieser Weg, wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig …
Nicht nur in der Mitte des Bildes, auch mitten in der Natur: Das Kingshouse Hotel. Im Vordergrund wieder Gabi mit vorbildlichem Stockeinsatz.

Tag 7

Kingshouse – Kinlochleven | 14 km
Auf ging’s zur vorletzten Etappe. Unser Wanderführer hatte jedoch schlechte Nachrichten. An dem Tag galt es das so genannte „Devil’s Staircase“ zu überschreiten. Bei diesem Namen machten wir uns bereits auf das Schlimmste gefasst. Völlig zu unrecht wie wir glücklicherweise herausfinden konnten. Lediglich 150hm waren zu überwinden, jedoch ein relativ langer Abstieg. An diesem Tag konnte ich meine erste und einzige Blase verarzten. Ein Foto davon gibt es gerne auf Anfrage.

Das Kingshouse Hotel befindet sich noch bis 2019 in einer Umbauphase.
Devil’s Staircase – Easy!
Wissen: Die Wasserkraft sorgte dafür, dass Kinlochleven das erste Dorf weltweit war, bei dem jedes Haus an das Stromnetz angeschlossen war.
Nach links oder nach rechts? Zurück zum Start und dafür 200€ kassieren?

Tag 8

Kinlochleven – Fort William | 25 km
Und da ist sie auch schon: Die letzte Etappe. Gleich zu Beginn zeigte uns das Wetter, dass wir uns die Ankunft in Fort William noch verdienen müssen. Gut trainiert von den letzten Tagen, war dies jedoch kein Problem. Nur mit dem Ziel, das ist immer so eine Sache. Muss es tatsächlich mitten in einer Einkaufsstraße liegen, nachdem man 7 Tage lang in der Natur unterwegs war?

Diese Unterkunft hatte sogar eine Mikrowelle – Luxus pur.
Patentierte Schweizer Technik: Eine Regenhaut unter der Jacke lässt weder Flüssigkeit nach innen, noch nach außen. Genial!
Nach einem Drittel der letzten Etappe befindet sich DAS berühmte Motiv des West Higland Ways.
Sind wir schon in der Mitte der Etappe angekommen? Das fehlende Handynetz lässt manchmal an der richtigen Standortbestimmung zweifeln.
Zurück auf Asphalt sehnen sich die Füße wieder nach weichem Boden.
Der Weg ist das Ziel – stimmt’s? Oder soll es tatsächlich diese Einkaufsstraße in Fort William sein?

Fazit

Der West Highland Way bleibt in schöner Erinnerung. Trotz bzw. wegen des regnerischen Wetters, war die Landschaft einfach wunderschön. Ein Regenponcho ist absolut zu empfehlen, eine Regenjacke hält nur für kurze Zeit. Es sei denn, man wendet die patentierte Schweizer Technik an. Mit den Midges hatten wir keine Probleme, jedoch lag das wohl auch am Wind, dass diese kleinen Quälgeister nicht so zielsicher waren. Ansonsten ist der West Highland Way kein Problem. Man muss nur nach Glasgow fliegen, einen Stein mittlerer Größe einpacken und losgehen – easy, right?

Wenn du weitere Fragen zum Weg hast, kannst du mir gerne eine kurze Nachricht per Kontaktformular senden.

Im Bus auf dem Rückweg nach Glasgow.

Bonus
Hast du das Hotel auf dem Bild erkannt? Richtig, jenes in Bridge of Orchy. Die Vorstellung ist irgendwie seltsam: Zu Fuß benötigt man vier ganze Tage um nach Fort William zu kommen. Im Bus ist es nur eine Stunde… und man merkt gar nicht, wie viele Eindrücke einem dadurch entgehen.